10.08.2021 - Unternehmen

Tissue-Hersteller fordert gleitende Preise

Wepa hat im Ausland schon Preisgleitklauseln eingeführt – Umsätze von Toilettenpapierherstellern sinken deutlich

In der Tissue-Branche hat sich das Blatt innerhalb kurzer Zeit gewendet: Nach der Überlastung im vergangenen Jahr leiden die Hersteller nun unter hohen Rohstoffkosten und geringer Auslastung. Der Handelsmarkenproduzent Wepa schlägt Preisgleitklauseln vor, um Verluste abzuwenden.

Hersteller von Tissue-Waren dringen mit ihren Forderungen nach Preiserhöhungen bislang nicht durch. Der größte deutsche Handelsmarkenhersteller von Toilettenpapier und ähnlichen Produkten, Wepa, bringt nun Preisgleitklauseln ins Gespräch, um einer Einigung mit dem Handel näherzukommen. „Die Volatilität des Geschäfts nimmt zu, das ist eine neue Herausforderung für uns“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Wepa Group, Martin Krengel, gegenüber der LZ. Das Konzept der Preisgleitklauseln habe Wepa bereits in Verträgen mit Kunden in Frankreich und Großbritannien umgesetzt.

Die Vereinbarungen sehen vor, dass die Abgabepreise in langfristigen Verträgen an Rohstoff- und Energiepreise gekoppelt sind. „Sollten die Preise steigen, steigt der Abgabepreis im laufenden Vertrag. Fallen die Kosten wieder, fällt der Abgabepreis zum kommenden Monat“, erklärt Krengel das Konzept, das er gerne auch im deutschen Markt sähe. Wepa hofft für die nächsten Verhandlungen auf ein Entgegenkommen der Händler: „Als es im vergangenen Frühjahr die Hamsterkäufe gab, die bei uns zu Mehrkosten durch Sonderschichten und höheren Transportkosten in der Produktion geführt haben, haben wir auf Preiserhöhungen verzichtet und sind die Situation partnerschaftlich mit dem Handel angegangen.“

Preiserhöhungen – in welcher Form auch immer – seien unabwendbar. „Die Kosten für Rohstoffe, Energie, Logistik und Verpackung sind deutlich gestiegen. Das ist durch Ausgleichsmaßnahmen nicht mehr zu bewältigen“, sagt Krengel. „Bei diesen Rohstoffpreisen wird jeder Tissue-Hersteller am Ende des Jahres rote Zahlen schreiben.“

Wepa bemüht sich nach eigenen Angaben denn auch, die Kosten so gering wie möglich zu halten. „Wir haben seit Februar Kurzarbeit sowohl im Professional - als auch im Consumer-Bereich an drei Standorten“, sagt Krengel. Zudem schaue Wepa in allen Werken, wo Kapazitätsanpassungen notwendig seien. In diesem Jahr rechnet die Wepa Group mit einem Absatzminus von 5 bis 6 Prozent. Auf Gruppenebene werde das Unternehmen „am Ende des Jahres im Consumer-Bereich einen Absatzrückgang von rund 3 bis 5 Prozent im Vergleich zu 2019 haben“, sagt Krengel. Auch bei Umsatz und Gewinn rechne Wepa mit einem entsprechenden Rückgang. Im Vergleich zum Jahr 2020 dürfte das Minus noch größer ausfallen.

In dem Corona-Jahr lag der Umsatz der Wepa Group bei 1,3 Mrd. Euro. Den mit Abstand größten Teil davon erwirtschaftete das Unternehmen in Deutschland. Die Ebitda-Marge lag bei 15,3 Prozent, wie aus einer Analyse der Ratingagentur Moody’s hervorgeht. Moody’s weist auch darauf hin, dass die Gewinnspanne aufgrund der höheren Zellstoffpreise sinken werde. Wepa selbst macht keine Angaben zum Gewinn. Beim konkurrierenden schwedischen Konzern Essity sank die von dem Unternehmen als „Ebita“-Marge angegebene Gewinnspanne im ersten Halbjahr um 2,3 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent.

In der Tissue-Branche hat sich die Lage innerhalb kurzer Zeit geändert: Auf die Toilettenpapier-Hamsterkäufe der frühen Corona-Zeit ist ein Nachfrageeinbruch gefolgt. Zudem verkaufen die Unternehmen derzeit nur wenige Taschentücher und Spezialprodukte für Veranstaltungen. In dieser angespannten Situation haben alle Hersteller Schwierigkeiten. Torsten Bahl, der Geschäftsführer Vertrieb des Handelsmarkenexperten Fripa, spricht gegenüber der LZ planerisch von einem „der schwierigsten Jahre des Jahrhunderts“. Kosteneinsparungen seien „elementar notwendig“. Bei dem zum 1. Mai zusammen mit der Marke Tela übernommenen Tissue-Werk in Niederbipp in der Schweiz will das Unternehmen Synergien im Einkauf und in der Produktion nutzen. Die ehemalige Kimberly-Clark-Produktionsstätte liegt nur wenige Kilometer von einem bestehenden Fripa-Werk entfernt. In dem Werk seien 245 Menschen beschäftigt, sagt Bahl. „Rund 20 Stellen mussten wir leider abbauen“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin von Fripa, Verena Queck-Glimm. Fripa habe zugleich aber Stellen aufgebaut, die zuvor bei Kimberly-Clark zentralisiert waren.

Nach einem deutlichen Nachfragerückgang zu Beginn des Jahres stelle Fripa erst jüngst ein wieder anziehendes Geschäft fest, berichtet Queck-Glimm. Auch das in Miltenberg ansässige Unternehmen hatte – nachdem es Urlaube vorgezogen und Überstunden abgebaut hatte – Kurzarbeit angemeldet. 2020 lag der Umsatz bei 230 Mio. Euro. Angesichts der damals extremen Steigerung und einem zu erwartenden Rückgang in diesem Jahr rechnet Fripa für die Jahre 2020 und 2021 mit einem durchschnittlichen Absatzplus von 2 Prozent. Dies entspreche einem „normalen Wachstum“, sagt Bahl.

Die Kostenentwicklung stehe jedoch auf einem anderen Blatt: „Der Zellstoffpreis ist explodiert. Wir sind leider auf einem Allzeithoch angekommen“, sagt Bahl. Queck-Glimm betont: „Die Situation muss sich schnell ändern. Wir zahlen deutlich mehr für unsere Rohstoffe, und es ist nicht leicht, Preiserhöhungen im hart umkämpften FMCG-Markt umzusetzen.“ Beruhigend wirke in der schwierigen Situation die gute finanzielle Lage des Unternehmens. Zudem stimme sie das langjährige partnerschaftliche Verhältnis mit dem Handel positiv. Langfristig allerdings hemme die Situation Innovation. „Innovation kostet Geld. Entsprechend ist uns viel daran gelegen, wieder in ruhigere Fahrwasser zu kommen“, sagt Queck-Glimm.

Quelle: Philip Brändlein, Lebensmittel Zeitung 31 vom 06.08.2021 Seite 012 / Industrie

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