
Händehygiene endet nicht beim Waschen, sondern beim Trocknen
Warum das Händetrocknen oft unterschätzt wird
Saubere Hände retten Leben. Diese Botschaft ist inzwischen fest im öffentlichen Bewusstsein verankert. Doch ein wichtiger Schritt der Händehygiene wird häufig übersehen: das anschließende Trocknen der Hände.
Gerade in öffentlichen Waschräumen, Gesundheitseinrichtungen, Unternehmen oder Bildungseinrichtungen stellt sich die Frage, welche Rolle die Händetrocknung für die Vermeidung von Keimübertragungen spielt. Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Nicht nur das Händewaschen selbst, sondern auch die gewählte Trocknungsmethode kann Einfluss auf Hygiene in Innenräumen haben.
Wieso sollte ich immer meine Hände abtrocknen?
Feuchtigkeit bietet Mikroorganismen günstige Bedingungen, um auf der Haut zu verbleiben oder weitergegeben zu werden. Deshalb gilt das Trocknen der Hände als wichtiger Bestandteil einer vollständigen Handhygiene. Dies entspricht auch der bisherigen Einordnung von Hygieneexperten und den Empfehlungen zahlreicher Gesundheitseinrichtungen.
Die entscheidende Frage lautet jedoch: Welche Trocknungsmethode unterstützt hygienische Prozesse am besten?
Aktuelle Studien zeigen geringere Verteilung von Mikroorganismen mit Papierhandtüchern statt Lufttrocknern
Mehrere internationale Studien haben untersucht, wie sich unterschiedliche Händetrocknungsmethoden auf die Verteilung von Mikroorganismen in Waschräumen auswirken. Untersuchungen aus dem Krankenhausumfeld sowie Forschungsarbeiten zur Aerosolbildung weisen darauf hin, dass die Händetrocknungsmethode Einfluss auf die Verteilung von Mikroorganismen in der Umgebung haben kann.¹⁻⁴
So zeigte eine Pilotstudie in Krankenhauswaschräumen, dass sich nach der Nutzung von Jet-Air-Händetrocknern Mikroorganismen auf deutlich mehr Oberflächen außerhalb des Waschbereichs nachweisen ließen als nach der Verwendung von Papierhandtüchern.¹ Eine weitere Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass beim Händetrocknen mit Lufttrocknern virushaltige Partikel als Aerosole in die Umgebung abgegeben und dort verteilt werden können.²
Bereits eine multizentrische Studie in mehreren Krankenhäusern hatte zudem höhere bakterielle Belastungen auf Oberflächen in Waschräumen mit Jet-Air-Händetrocknern im Vergleich zu Waschräumen mit Papierhandtüchern festgestellt.³ Aktuelle Forschungen befassen sich darüber hinaus mit den Mikrobiomen von Händetrocknern und unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen Bewertung von Händehygiene- und Trocknungssystemen im Hinblick auf die Verbreitung von Mikroorganismen.⁴
In der Gesamtschau sprechen die vorliegenden Studien dafür, die Wahl der Händetrocknungsmethode als relevanten Bestandteil ganzheitlicher Hygienekonzepte zu betrachten.
Hygienesicherheit gewinnt gesellschaftlich an Bedeutung
Die Diskussion über wirksame Hygiene endet längst nicht bei klassischen Infektionskrankheiten. Fachorganisationen und Gesundheitsexperten weisen zunehmend auf das wachsende Problem antimikrobieller Resistenzen (AMR) hin.
Das Robert Koch-Institut bezeichnet antimikrobielle Resistenzen als eine der großen Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit. Weltweit werden laut wissenschaftlichen Schätzungen jährlich rund 1,3 Millionen Todesfälle direkt mit antimikrobiellen Resistenzen in Verbindung gebracht.
Vor diesem Hintergrund gewinnt jede Maßnahme an Bedeutung, die dazu beiträgt, Infektionsketten zu unterbrechen und die Verbreitung von Krankheitserregern zu reduzieren. Händehygiene ist dabei eine der wirksamsten und gleichzeitig einfachsten Maßnahmen.
Hygiene in ganzheitlichen Hygienemaßnahmen denken
Für Betreiber öffentlicher und gewerblicher Waschräume bedeutet das: Nicht einzelne Produkte stehen im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel aller Hygienemaßnahmen.
Dazu gehören:
regelmäßiges und gründliches Händewaschen,
gut erreichbare Seifenspender,
hygienische und benutzerfreundliche Trocknungslösungen,
regelmäßige Reinigung und Wartung der Waschräume,
sowie die Sensibilisierung der Nutzer für richtiges Hygiene-Verhalten.

Fazit: Händetrocknung ist mehr als Komfort
Die wissenschaftliche Evidenz der vergangenen Jahre zeigt, dass die Art der Händetrocknung Einfluss auf die Verteilung von Mikroorganismen in Innenräumen haben kann. Besonders in sensiblen Bereichen, in denen viele Menschen zusammentreffen oder erhöhte Hygieneanforderungen gelten, lohnt sich daher ein genauer Blick auf die eingesetzten Lösungen.
Denn wirksame Händehygiene endet nicht mit Wasser und Seife. Erst trockene Hände tragen dazu bei, das Risiko einer Weiterverbreitung von Keimen zu reduzieren und ein sicheres Hygienegefühl zu schaffen.
Wenn eine hygienische Möglichkeit dazu besteht: unbedingt! Denn falls sich nach dem Händewaschen mit Seife doch noch ein paar Mikroorganismen – z.B. Bakterien oder Viren – auf den Händen befinden, können sie sich in dieser feuchten Umgebung bestens halten und vermehren.
Desinfektionsmittel sind sinnvoll, um vorhandene Infektionsketten zu unterbrechen. Sie basieren meist auf Alkohol, daher lassen sich nur Bakterien und ganz bestimmte Viren (sog. umhüllte Viren) damit bekämpfen. Schneller als Händewaschen geht das übrigens nicht: Ein Desinfektionsmittel sollte ca. 30 Sekunden sehr gründlich auf allen Hand- und Fingerflächen verteilt werden; es wirkt nur dort, wo es hinkommt und darf weder abgespült oder abgetrocknet werden.
Elektrische Luftstromtrockner sind eine praktische Lösung für die Hände. Sie trocknen nicht nur – wie der Name schon sagt –, sondern föhnen auch Bakterien oder Viren von der Hand, die sich noch darauf befinden. Genau da aber liegt das Problem. Denn sie verteilen und verwirbeln diese Keime mit der Luft im Raum und womöglich auf die Menschen darin. An der Universität Bonn z.B. dürfen elektrische Händetrockner aus Gründen des Infektionsschutzes derzeit nicht verwendet werden. Dagegen haben Papierhandtücher eine abrasive Wirkung, sprich Viren und Bakterien werden quasi von der Hand abgerieben und landen direkt nach der Benutzung direkt im Mülleimer.
Papiertücher sind die hygienischste Lösung. Das bestätigt die Wissenschaft in verschiedensten internationalen Studien immer wieder – nicht nur im Labor, sondern auch unter Alltagsbedingungen. Das Papierhandtuch kommt sauber aus seinem Spender und wird nur von Ihnen selbst verwendet. Keime, die womöglich jetzt noch an den feuchten Händen haften, werden durch die Reibung beim Abtrocknen entfernt, aber nicht in den Raum gepustet wie beim Handtrockner. Und schließlich landet das Papierhandtuch im Müll und wird professionell entsorgt. Außerdem sind Papierhandtücher dank der Spender schnell zur Hand und man muss nicht Schlange stehen wie so oft beim Trockner. Und weil die Spender rein mechanisch funktionieren, verbrauchen sie weder Strom noch Batterien.
Unbedingt. Denn das Papiertuch kann auch ideal verwendet werden, um den Wasserhahn zuzudrehen – und zu guter Letzt, um geschützt vor den Keimen auf der Türklinke die Waschraumtür zu öffnen.
¹ Kimmitt PT et al. From the hospital toilet to the ward: A pilot study on microbe dispersal to multiple hospital surfaces following hand drying using a jet air dryer versus paper towels. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33726871/
² Best EL et al. Assessment of potential for viral contamination of user and environment via aerosols generated during hand drying: A pilot study. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36388368/
³ Margas E et al. Environmental contamination by bacteria in hospital washrooms according to hand-drying method: a multi-centre study. www.journalofhospitalinfection.com/article/S0195-6701(18)30366-9/fulltext
⁴ Bruning M et al. The effect of sample type and location on industrial workplace sink and hand dryer microbiomes. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40414843/
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